Vorbereitung auf die Ehe
Ellen G. White misst der Vorbereitung auf die Ehe eine außerordentlich hohe Bedeutung bei. Für sie gehört die Wahl des Ehepartners zu den folgenschwersten Entscheidungen des menschlichen Lebens. Eine glückliche Ehe entsteht ihrer Auffassung nach nicht allein aus romantischer Liebe, körperlicher Anziehung oder dem Wunsch nach Gemeinsamkeit, sondern benötigt geistliche Reife, einen gefestigten Charakter, praktische Lebenstüchtigkeit, echte Liebe und die bewusste Bereitschaft, Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen.
Ihr zentraler Gedanke lautet: Wer eine gute christliche Ehe führen möchte, muss nicht nur den richtigen Partner suchen, sondern selbst zu einem geeigneten Ehepartner heranreifen.
Dabei stellt Ellen White drei Fragen in den Mittelpunkt: Ist der andere Mensch charakterlich für eine Ehe geeignet? Bin ich selbst ausreichend vorbereitet? Und wird unsere Verbindung uns beide in unserer Beziehung zu Jesus Christus stärken?
1. Welche Eigenschaften soll ein Mann bei seiner zukünftigen Ehefrau suchen?
In Briefe an junge Liebende, S. 28–31, beschäftigt sich Ellen White ausdrücklich mit der Frage, worauf ein junger Mann bei der Wahl seiner Ehefrau achten sollte. Sie beschreibt die Frau als eine gleichwertige Gefährtin, die ihren Mann im Leben und im geistlichen Wachstum begleitet.
Ellen White veranschaulicht diese Eigenschaften anhand eines Briefes an einen jungen Mann namens Rolf. Sie warnt ihn davor, die praktische Verantwortung einer Ehe zu unterschätzen. Insbesondere kritisiert sie an seiner möglichen Partnerin Selbstsucht, übermäßige Ausgaben, Genussorientierung und mangelndes Interesse an alltäglichen Pflichten.
Dabei geht es in ihrem historischen Verständnis besonders um hauswirtschaftliche Fähigkeiten der Frau. Der dahinterliegende, auf beide Partner übertragbare Grundsatz ist jedoch, dass eine Ehe praktische Kompetenz und geteilte Verantwortung benötigt.
Besonders treffend formuliert sie: „Besonders was Deine Ehe betrifft, achte darauf, eine Frau zu bekommen, die Seite an Seite mit Dir im geistlichen Wachstum vorangeht.“ Briefe an junge Liebende, S. 31
Für Ellen White soll eine gute Ehefrau also nicht lediglich attraktiv, liebenswert oder gesellschaftlich angesehen sein. Sie soll ihrem Mann eine verlässliche, geistlich gefestigte und charakterlich reife Lebensgefährtin sein.
2. Welche Eigenschaften soll eine Frau bei ihrem zukünftigen Ehemann suchen?
In Briefe an junge Liebende, S. 32 ff., fordert Ellen White junge Frauen ausdrücklich auf, einen möglichen Ehemann sorgfältig zu prüfen. Diese Aussagen gehören zu ihren deutlichsten Warnungen vor unüberlegten Eheschließungen. Sie empfiehlt nicht, allein auf Liebesbekundungen zu achten, sondern vor allem das bisherige Verhalten und den tatsächlichen Charakter des Mannes zu untersuchen.
Eine wichtige Stelle findet sich in The Ministry of Healing, S. 359. Ellen White empfiehlt einer jungen Frau einen Mann, dessen Charakter rein und anständig ist, der fleißig, strebsam und ehrlich ist und Gott liebt und fürchtet.
Besonders wichtig: Achtet er die Würde und Persönlichkeit seiner zukünftigen Frau?
Ellen White fordert eine junge Frau auf, sich vor der Heirat ernsthaft zu fragen, ob sie in der Beziehung ihre eigene Individualität bewahren kann oder ob ihr künftiger Mann versuchen wird, ihr Urteil und ihr Gewissen zu kontrollieren. Das ist eine bemerkenswert klare Warnung vor dominierendem und kontrollierendem Verhalten. Sie fragt außerdem, ob der Mann auch dann geduldig und liebevoll bleiben wird, wenn die anfängliche Verliebtheit nachlässt.
Damit macht Ellen White deutlich, dass der Charakter eines Menschen wichtiger ist als seine Fähigkeit, romantische Gefühle hervorzurufen.
3. Welche Voraussetzungen müssen beide Partner vor der Eheschließung erfüllen?
Ellen White macht deutlich, dass gegenseitige Zuneigung allein keine ausreichende Grundlage für eine Ehe ist. Beide müssen persönlich, geistlich und praktisch auf die gemeinsame Lebensverantwortung vorbereitet sein. Die nachfolgenden Voraussetzungen lassen sich aus mehreren Kapiteln von Briefe an junge Liebende ableiten.
1. Geistliche Übereinstimmung und gemeinsame Christusnachfolge
Beide sollen eine persönliche Beziehung zu Gott haben und in wesentlichen Glaubens- und Lebensfragen übereinstimmen. Ellen White warnt ausdrücklich davor, eine Ehe einzugehen, in der der eigene Glaube dauerhaft zum Konfliktgegenstand wird. Ihr Ideal ist eine Partnerschaft, in der beide einander auf dem Weg mit Christus stärken.
2. Geistige und emotionale Reife
Beide müssen über ein ausreichend entwickeltes Urteilsvermögen verfügen, ihre Gefühle beherrschen und die Tragweite einer lebenslangen Bindung verstehen. Ellen White warnt vor übereilten Eheschließungen, insbesondere wenn die körperliche und geistige Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist.
3. Selbstbeherrschung und ein gefestigter Charakter
Beide sollen gelernt haben, mit Enttäuschungen, Versuchungen, Ärger und persönlichen Wünschen verantwortlich umzugehen. Ein eigensinniger oder selbstsüchtiger Charakter wird durch die Hochzeit nicht automatisch verändert.
4. Echte Liebe statt bloßer Verliebtheit
Beide sollen einander wirklich kennen, aufrichtig lieben und auch die Schwächen des anderen wahrnehmen können. White warnt vor einer Liebe, die vor allem auf körperlicher Anziehung, Leidenschaft oder romantischer Idealisierung beruht.
5. Praktische Lebenstüchtigkeit und Verantwortungsbereitschaft
Beide sollen bereits Erfahrungen mit alltäglichen Pflichten gesammelt haben. Dazu gehören Arbeit, Haushaltsführung, der verantwortungsvolle Umgang mit finanziellen Mitteln, Gesundheit und die Bereitschaft, Schwierigkeiten gemeinsam zu bewältigen. Großer Reichtum ist für Ellen White keine Ehevoraussetzung.
6. Gegenseitige Achtung und Freiheit der Entscheidung
Beide müssen freiwillig und aus Überzeugung heiraten wollen. Niemand soll sich durch Druck, Manipulation, Mitleid oder ein bestehendes Verlöbnis zur Ehe verpflichtet fühlen. Besonders deutlich sagt Ellen White, dass eine Verlobung besser gelöst werden sollte, wenn Liebe und Achtung für eine lebenslange Gemeinschaft fehlen.
7. Sorgfältiges Kennenlernen und die Bereitschaft, Rat anzunehmen
Beide sollen den Charakter des anderen unter unterschiedlichen Lebensumständen kennenlernen. Ellen White empfiehlt insbesondere, den Rat gottesfürchtiger Eltern und erfahrener Menschen ernst zu nehmen, ohne die eigene Entscheidung einfach an andere abzugeben.
4. Welche Warnzeichen sollten bei der Partnerwahl ernst genommen werden?
Besonders in ihren persönlichen Briefen wird deutlich, dass Ellen White nicht davon ausgeht, eine Hochzeit könne bereits erkennbare Charakterprobleme beheben.
Sie warnt unter anderem vor folgenden Merkmalen:
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Selbstsucht und Eigenwilligkeit: Der Partner stellt dauerhaft seine Wünsche über das Wohl des anderen.
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Unbeherrschtheit und Impulsivität: Entscheidungen werden allein von Gefühlen, Leidenschaft oder Ärger bestimmt.
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Unaufrichtigkeit und Untreue: Versprechen werden leichtfertig gegeben; mit den Gefühlen anderer wird gespielt.
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Mangelnde praktische Verantwortungsbereitschaft: Pflichten werden vermieden, Geld wird unüberlegt ausgegeben und ernsthafte Lebensaufgaben werden unterschätzt.
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Kontrollierendes oder herrschsüchtiges Verhalten: Der Partner versucht, die Persönlichkeit, das Gewissen oder die Entscheidungen des anderen zu beherrschen.
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Fehlende gemeinsame geistliche Ausrichtung: Der Glaube des anderen wird nicht respektiert oder sein geistliches Wachstum behindert.
Diese Warnungen finden sich beispielsweise in den Briefen an Rolf, in ihren Fragen an junge Frauen vor der Ehe und im Kapitel über leichtfertigen Umgang mit den Gefühlen anderer. Ein zentraler Grundgedanke ist dabei: Nicht das Versprechen einer späteren Veränderung, sondern der gegenwärtig erkennbare Charakter sollte für die Partnerwahl ausschlaggebend sein.
5. Die Vorbereitung auf die Ehe als gemeinsame Charakterentwicklung
Ein besonders wertvoller Gedanke Ellen Whites besteht darin, dass eine glückliche Ehe nicht erst mit der Hochzeit beginnt. Ihre Voraussetzungen werden bereits vorher geschaffen. Das betrifft insbesondere die Fähigkeit, ehrlich zu kommunizieren, Konflikte auszuhalten, auf eigene Wünsche zu verzichten, Verantwortung zu übernehmen und den anderen als eigenständigen Menschen zu achten.
White erwartet dabei keine vollkommenen Menschen. Ihre Ratschläge zielen vielmehr auf Menschen, die ihre Schwächen erkennen, an ihrem Charakter arbeiten und bereit sind, unter der Führung Christi weiter zu wachsen.
Gerade im Hinblick auf das Ehemodell „E – H – E“ bedeutet dies: Mann und Frau sollen bereits vor der Hochzeit lernen, eigenverantwortlich mit Gott zu leben. Sie sollten nicht erwarten, dass der zukünftige Ehepartner ihre geistlichen oder charakterlichen Defizite ausgleicht.
Zusammenfassung
Nach Ellen G. White beginnt die Vorbereitung auf eine glückliche christliche Ehe lange vor der Hochzeit. Beide Partner sollen eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus entwickeln und durch Gottes Führung zu charakterlich reifen, selbstbeherrschten, treuen und verantwortungsbewussten Menschen heranwachsen. Bei der Partnerwahl sollen nicht äußere Schönheit, romantische Gefühle, gesellschaftliche Stellung oder materieller Wohlstand im Vordergrund stehen, sondern Gottesfurcht, aufrichtige Liebe, Ehrlichkeit, Fleiß, Geduld, Selbstlosigkeit und praktische Lebenstüchtigkeit. Der zukünftige Ehepartner soll nicht nur geliebt werden, sondern auch als Mensch geachtet und in seiner Persönlichkeit verstanden werden. Beide sollen bereit sein, die Lasten des Lebens gemeinsam zu tragen, Schwierigkeiten miteinander zu bewältigen und einander im geistlichen Wachstum zu unterstützen. Eine Ehe sollte erst dann geschlossen werden, wenn beide die Tragweite ihrer Entscheidung erkennen, sich ausreichend kennengelernt haben und freiwillig bereit sind, eine lebenslange Verantwortung zu übernehmen. Die beste Vorbereitung auf die Ehe besteht deshalb darin, selbst zu einem Menschen heranzureifen, mit dem eine von Liebe, Achtung, Vertrauen und Christusnachfolge geprägte Ehe möglich wird.
Hauptquellen:
Briefe an junge Liebende – vollständige deutsche Ausgabe: Hauptquelle mit Briefen, Ratschlägen und ergänzenden Auszügen zu Partnerwahl und Ehevorbereitung.
BJL, S. 28–31 – Worauf ein junger Mann bei einer Frau achten sollte: Selbstlosigkeit, praktische Fähigkeiten, Charakter und geistliches Wachstum.
BJL – Auch ein Mädchen sollte sich vor der Heirat einige Fragen stellen: Reinheit des Charakters, Verlässlichkeit, Respekt und Bewahrung der eigenen Persönlichkeit.
Quellenhinweis: Briefe an junge Liebende ist eine später zusammengestellte Sammlung von Ellen Whites Briefen und Textauszügen, kein von ihr selbst als einheitliches Lehrbuch verfasstes Werk. Ihre Aussagen über die Aufgabenverteilung von Männern und Frauen spiegeln teilweise auch die gesellschaftlichen Verhältnisse ihrer Zeit wider. Die Grundsätze zu Treue, Charakter, Verantwortung, Freiheit und gegenseitiger Achtung lassen sich davon unterscheiden und auf heutige Partnerschaften anwenden.