
Die Geschichte der Siebenten-Tags-Adventisten
Die Geschichte der Siebenten-Tags-Adventisten entwickelte sich von der milleritischen Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert über die „Große Enttäuschung“ bis hin zur offiziellen Gründung und dem weltweiten Wachstum.
Der im Jahr 2016 erschienene, aufwändig produzierte Spielfilm „Tell the World“ (oft in Episoden oder als zweiteilige Langfassung gezeigt) entstand unter der Regie von Kyle Portbury und wurde von Adventist Media Network / Hope Channel in Australien produziert.
Der Film schildert die dramatischen Anfänge der Siebenten-Tags-Adventisten im New England des 19. Jahrhunderts. Die Handlung beginnt mit dem Farmer William Miller, dessen Prophezeiung der nahen Wiederkunft Christi im Jahr 1844 in der „Großen Enttäuschung“ endet. Eindrucksvoll zeigt der Film, wie Pioniere wie Ellen White, James White und Joseph Bates trotz Spott und Zweifeln die Bibel neu studierten. Aus den Ruinen dieser Krise formten sie schließlich durch neue Erkenntnisse wie dem Sabbat und der Gesundheitsbotschaft die heute weltweit etablierte Freikirche.
Der Film „Tell the World“ kann über mehrere offizielle Kanäle der Freikirche und öffentliche Plattformen dauerhaft vollständig kostenlos gestreamt werden:
- Hope TV (Deutsch): Auf der offiziellen Mediathek von Hope TV Deutsch steht der Film aufgeteilt in sechs chronologische Episoden mit deutscher Synchronisation bereit.
- Offizielle Film-Webseite: Unter Tell the World Movie stellt die Weltkirche der Siebenten-Tags-Adventisten das Werk in verschiedenen Sprachen (darunter auch Deutsch) direkt zum Anschauen zur Verfügung.
- YouTube: Der offizielle Hauptkanal der Seventh-day Adventist Church hat die komplette Tell the World Playlist hochgeladen. Zudem lässt sich der gesamte Spielfilm am Stück auf YouTube abrufen.
- Internet Archive: Für den werbefreien Abruf oder einen legalen Download existiert eine archivierte Fassung im Internet Archive.
WANN entstand die Adventbewegung ?
Nach adventistischem Verständnis sind die Siebenten-Tags-Adventisten nicht deshalb Gottes endzeitliche Gemeinde der Übrigen, weil sie den richtigen Namen oder eine Organisation von 1863 besitzen, sondern weil ihre historische Entstehung, ihre Botschaft und ihre Mission als Erfüllung der prophetischen Linie von Daniel 7–12 und Offenbarung 10–14 verstanden werden.
Das ist auch die wichtige Schutzklausel: Eine Kirche kann den Anspruch „Übrige“ nicht allein durch ihre Geschichte erben. Sie muss die in Offenbarung genannten Merkmale tatsächlich erfüllen. Deshalb ist „Übrigen-Gemeinde“ im adventistischen Verständnis eigentlich weniger ein Privileg als ein Auftrag und eine Verantwortung.
Außerhalb des adventistischen historistischen Auslegungssystems ist diese Identifikation kein allgemeinchristlicher Konsens. Die Bibel nennt die spätere Denomination nicht namentlich; die Identifikation entsteht aus der Verbindung der prophetischen Zeitlinien, der historischen Ereignisse und der Merkmale aus Offenbarung 12 und 14. Innerhalb dieses Systems ist die Argumentation jedoch tatsächlich in sich geschlossen und entspricht dem offiziellen Selbstverständnis der Weltkirche.
Also kann die genaue endzeitliche Gemeinde der Übrigen nur durch gründliches Bibelstudium unter Leitung des Heiligen Geistes ermittelt werden?
Ja — wenn man die Frage rein biblisch beantworten will, dann wäre genau das der richtige Ansatz: Nicht zuerst fragen „Welche Kirche behauptet, die Gemeinde der Übrigen zu sein?“, sondern welche Merkmale die Bibel selbst für die endzeitlichen Übrigen nennt und dann prüfen, welche Glaubensgemeinschaft diese Merkmale tatsächlich erfüllt.
Nach biblischem Verständnis gehören dazu vor allem folgende Kennzeichen:
- Treue zu Gottes Geboten – Offb 12,17; 14,12
- Glaube bzw. Zeugnis Jesu – Offb 12,17; 14,12
- Verkündigung des ewigen Evangeliums – Offb 14,6
- Verkündigung der Gerichtsstunde – Offb 14,7
- weltweiter Auftrag an Völker, Nationen und Sprachen – Offb 14,6
- Botschaft über Babylon – Offb 14,8; 18,1–4
- Warnung vor Tier, Bild und Malzeichen – Offb 14,9–12
- im adventistischen Verständnis zusätzlich das prophetische Zeugnis bzw. die Gabe der Prophetie; der offizielle Glaubenspunkt 18 bezeichnet diese als Kennzeichen der Gemeinde der Übrigen.
Genau deshalb wäre es methodisch problematisch, einfach zu sagen: „Ich bin Adventist, also bin ich automatisch Teil von Gottes Endzeitvolk.“ Die biblische Argumentation muss in die andere Richtung laufen:
Bibel → prophetische Merkmale → historische Erfüllung → Prüfung einer Bewegung
Das entspricht auch dem offiziellen adventistischen Glaubenspunkt 13: Die universale Gemeinde umfasst zunächst alle Menschen, die wirklich an Christus glauben; für die letzten Tage wird aber ein besonderer „Überrest“ beschrieben, der Gottes Gebote und den Glauben Jesu bewahrt, die Gerichtsstunde verkündigt, Christus als Erlöser predigt und die drei Engelsbotschaften von Offenbarung 14 weltweit weitergibt.
Wo kommt dabei der Heilige Geist hinein?
Sehr deutlich. Jesus sagt über den Geist:
„Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten.“
Johannes 16,13
Aber auch hier ist eine wichtige Grenze nötig: „Der Heilige Geist hat mir gezeigt, dass meine Kirche die richtige ist“ ist für sich genommen kein ausreichender Beweis.
Denn nach biblischem Verständnis muss eine geistliche Überzeugung wiederum an der Schrift geprüft werden:
- Jesaja 8,20: Gesetz und Zeugnis als Prüfmaßstab.
- Apostelgeschichte 17,11: Die Beröer überprüfen selbst die apostolische Verkündigung anhand der Schrift.
- 1. Thessalonicher 5,21: „Prüft alles; das Gute behaltet.“
- 1. Johannes 4,1: „Prüft die Geister, ob sie aus Gott sind.“
Das ergibt ein sehr interessantes biblisches Prinzip: Der Heilige Geist führt zur Wahrheit, aber die Schrift liefert den objektiven Prüfmaßstab.
Deshalb ist die Aussage folgendermaßen zu präzisieren:
Die endzeitliche Gemeinde der Übrigen sollte nicht aufgrund von Tradition, Kirchenzugehörigkeit, persönlichem Gefühl oder institutionellem Anspruch identifiziert werden. Sie muss durch gründliches Studium der gesamten biblischen Prophetie, im Gebet und unter Leitung des Heiligen Geistes anhand der von der Schrift selbst genannten Kennzeichen geprüft werden. Und genau hier wird der adventistische Anspruch überprüfbar. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr:
„Behaupten die Siebenten-Tags-Adventisten, die Übrigen zu sein?“
sondern: „Erfüllt die Adventbewegung tatsächlich die Gesamtheit der prophetischen Kennzeichen aus Daniel und Offenbarung?“
Das ist die wesentlich stärkere Fragestellung. Denn dann müsste man systematisch Daniel 7, Daniel 8–9, Daniel 12, Offenbarung 10, Offenbarung 12, Offenbarung 13, Offenbarung 14 und Offenbarung 18 miteinander verbinden und anschließend prüfen, ob sich daraus tatsächlich eine Bewegung mit Zeitpunkt, Botschaft, Merkmalen und weltweitem Auftrag identifizieren lässt. Genau diesen Anspruch erhebt die adventistische Fundamentalüberzeugung Nr. 13.
Wenn man diese Prüfung konsequent durchführt, wird besonders spannend, ob die Bibel genügend Kriterien liefert, um nicht nur irgendeine endzeitliche Christenheit, sondern tatsächlich eine konkrete Bewegung zu identifizieren.
ADVENTBEWEGUNG
(Gottes Endzeitgemeinde und letzter Prophet nach Jes.11,11-12; Hes.36-38; Mal.3,23-24; Mt.11,13-14; 24,14; Offb.14,6-12)
ANTICHRISTLICHE BEWEGUNGEN
(Verführungen der Endzeit nach Mt.7,15; 24,4-5; 11,23-26; Mk.7,6-13; 13,5-6; Lk.21,8)
Die Anfänge und die Milleriten
- 1830er Jahre: Der US-amerikanische Baptistenprediger William Miller studiert die biblischen Prophezeiungen und verkündet die baldige Wiederkunft (Advent) Jesu Christi für die Jahre 1843/1844. Seine Anhänger werden als Milleriten bezeichnet.
- 22. Oktober 1844: Der erwartete Tag der Wiederkunft Christi bleibt aus. Dieser Tag geht als die „Große Enttäuschung“ in die Geschichte ein und führt zum Verfall der ursprünglichen Bewegung.
Die Entstehung der neuen Freikirche
- Ab 1844/1845: Eine kleine Gruppe enttäuschter Milleriten (darunter Hiram Edson, Joseph Bates, James und Ellen White) studiert die Bibel neu. Sie kommen zu dem Schluss, dass das Datum zwar stimmte, aber das biblische Ereignis im Himmel statt auf der Erde stattfand.
- Ab 1848: Die Gruppe übernimmt die Feier des biblischen Sabbats am siebten Tag der Woche (Samstag) als zentrales Glaubensmerkmal. Die prophetisch begabte Ellen G. White prägt die theologische und organisatorische Ausrichtung der jungen Bewegung stark.
- 1860: Die Gemeinschaft nimmt offiziell den Namen „Siebenten-Tags-Adventisten“ an.
Offizielle Gründung und internationale Ausbreitung
- 21. Mai 1863: Offizielle Gründung der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten in Battle Creek, Michigan (USA), durch den Zusammenschluss von 125 Gemeinden.
- 1867: Erste Missionare und Prediger kommen nach Europa (Schweiz); in Tramelan (Kanton Bern) entsteht die erste Kapelle außerhalb Nordamerikas.
- Ende des 19. Jahrhunderts: Aufbau weltweiter Strukturen, Bildungseinrichtungen, Verlage und medizinischer Werke (Krankenhäuser und Sanatorien).
20. Jahrhundert bis heute
- 1931: Veröffentlichung einer offiziellen Zusammenfassung von 22 Glaubensüberzeugungen, die das trinitarische Verständnis (Glaube an die Dreieinigkeit) festigen.
- 1980: Die Glaubensüberzeugungen werden auf 27 erweitert (später auf 28 ausgedehnt).
- Gegenwart: Die Freikirche ist heute in fast allen Ländern der Welt aktiv, betreibt tausende Schulen, Krankenhäuser und weltweite Hilfswerke (ADRA).
Modern-wissenschaftliche & materialistische Lehren
- Die Evolutionstheorie (Darwinismus)
- Entstehungsjahr: 1859
- Hintergrund: Veröffentlichung des Hauptwerks „Über die Entstehung der Arten“ (On the Origin of Species) durch Charles Darwin.
- Der Marxismus (Historischer Materialismus)
- Entstehungsjahr: 1848
- Hintergrund: Veröffentlichung des „Manifests der Kommunistischen Partei“ durch Karl Marx und Friedrich Engels. Das dreibändige Hauptwerk „Das Kapital“ folgte ab 1867.
- Die Psychoanalyse (Freudianismus)
- Entstehungsjahr: 1899 / 1900
- Hintergrund: Sigmund Freud veröffentlichte sein wegweisendes Werk „Die Traumdeutung“ (auf das Jahr 1900 vordatiert, erschien im Spätherbst 1899), was als Geburtsstunde der Psychoanalyse gilt.
- Die Historisch-kritische Bibelkritik
- Entstehungszeitraum: Ca. 1835 – 1870er Jahre (Moderne Etablierung)
- Hintergrund: Zwar gab es Vorläufer in der Aufklärung, doch die radikale Etablierung geschah im 19. Jahrhundert. Meilensteine waren David Friedrich Strauß’ Werk „Das Leben Jesu“ (1835) [5] und die Schriften von Julius Wellhausen zur Alttestamentlichen Forschung (ab 1876).
Spirituelle, esoterische & synkretistische Lehren
- Der Moderne Spiritismus
- Entstehungsjahr: 1848
- Hintergrund: Die angeblichen Klopfzeichen-Phänomene der Fox-Schwestern im März 1848 in Hydesville (USA) lösten die weltweite spiritistische Welle aus. Allan Kardec systematisierte die Lehre ab 1857 mit dem „Buch der Geister“.
- Die Theosophie
- Entstehungsjahr: 1875
- Hintergrund: Gründung der Theosophischen Gesellschaft in New York durch Helena Petrovna Blavatsky, Henry Steel Olcott und andere.
- Der Satanismus (Moderner Okkultismus)
- Entstehungszeitraum: Spätes 19. Jahrhundert bis 1904
- Hintergrund: Im späten 19. Jahrhundert formierten sich okkulte Orden (wie der Hermetic Order of the Golden Dawn, 1888). Den Übergang zum modernen, antichristlich geprägten Okkultismus markiert Aleister Crowleys Niederschrift des „Buchs der Gesetze“ (The Book of the Law) im Jahr 1904.
- Der Neopaganismus (Neuheidentum / Wicca)
- Entstehungszeitraum: 1930er bis 1950er Jahre (Wicca)
- Hintergrund: Während die romantisch-völkische Vorgeschichte im 19. Jahrhundert liegt, wurde die heute etablierte Hexenreligion Wicca in den 1930/40er Jahren von Gerald Gardner in England entwickelt und 1954 mit dem Buch „Witchcraft Today“ öffentlich gemacht.
Neue religiöse Offenbarungsbewegungen (Nicht-Christlich)
- Das Bahaitum (Baha'i-Religion)
- Entstehungsjahr: 1863
- Hintergrund: Baha’ullah verkündete im April 1863 im Garten Ridvan (Bagdad) öffentlich seinen Anspruch, der verheißene Offenbarer Gottes für das gegenwärtige Zeitalter zu sein. (Die Vorläuferbewegung des Babismus begann 1844).
- Die Scientology-Lehre
- Entstehungsjahr: 1950 – 1954
- Hintergrund: L. Ron Hubbard veröffentlichte 1950 das Buch „Dianetik: Die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“. Auf dieser Basis gründete er 1954 in Los Angeles die erste Church of Scientology als religiöse Gemeinschaft.
WIE entstand die Adventbewegung ?
Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten entstand im 19. Jahrhundert in den USA aus der sog. Miller-Bewegung.
Die Ursprünge und die Miller-Bewegung
- Erweckung: Um 1840 predigte der Baptistenprediger William Miller in Nordamerika die als aussahestehend erwartete baldige Wiederkunft (Advent) Jesu Christi.
- Die Enttäuschung: Miller errechnete den 22. Oktober 1844 als Tag der Wiederkunft. Als Jesus an diesem Tag ausblieb, führte das zur großen Enttäuschung und zum Zerfall der Bewegung.
Neubeginn und Entstehung der Freikirche
- Der Sabbat: Eine kleine Gruppe der enttäuschten Gläubigen studierte die Bibel neu und kam zu dem Schluss, dass das Datum stimmte, aber das Ereignis ein anderer Schritt im himmlischen Heiligtum war. Zudem erkannten sie den Samstag (den siebenten Tag) als den biblischen Sabbat an.
- Gründung: Aus diesen verstreuten Gruppen formierte sich eine feste Gemeinschaft, die sich am 21. Mai 1863 offiziell als Freikirche mit einer Generalkonferenz in den USA konstituierte. Der Name „Siebenten-Tags-Adventisten“ drückt seitdem die Kernpunkte aus: die Erwartung der Wiederkunft und die Heiligung des Sabbats.
Unterschied zu anderen christlichen Denominationen
Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten (STA) stützt sich historisch auf fünf theologische Säulen, die ihr theologisches Fundament bilden. Während sie Kerninhalte der Reformation mit anderen evangelischen Freikirchen teilen, begründen diese Säulen ihre Besonderheiten.
Die 5 Säulen des Adventismus
- Die Wiederkunft Christi (Advent): Die nahe, sichtbare und hörbare Rückkehr von Jesus Christus auf die Erde.
- Der Sabbat: Die Heiligung des siebten Wochentags (Samstag) anstelle des Sonntags als Ruhetag und Schöpfungsgedenken.
- Das Heiligtumsdogma: Die Lehre, dass Christus 1844 einen Dienst im himmlischen Heiligtum (Untersuchungsgericht) begonnen hat.
- Der Zustand der Toten (Ganzheitlichkeit): Die Ablehnung einer unsterblichen Seele; die Toten verbleiben bis zur Auferstehung im Zustand des "Schlafes".
- Der Geist der Weissagung: Die Anerkennung der Schriften von Ellen G. White als prophetische Leitung für die Endzeitgemeinde.
Gemeinsamkeiten (Die protestantische Basis)
Trotz dieser Differenzen teilen Adventisten die reformatorischen Grundsätze mit anderen Protestanten: Sie glauben an die Dreieinigkeit, die Rettung allein aus Gnade und Glauben (Sola Gratia / Sola Fide) sowie an die Bibel als höchste Autorität. Auch praktizieren sie, ähnlich wie die Baptisten, die Gläubigentaufe durch vollständiges Untertauchen.